Cooking as Self Care: Was tut mir gut?

Von Julia Heim, 7. December 2018

«Ich bin momentan oft gereizt und kränklich und merke, dass meine Ernährung unter dem Jahresabschluss-Stress leidet. Wie kann ich mir kulinarisch etwas Gutes tun?» 

Mit dieser Frage treffen Sie bei mir voll ins Schwarze, liebe Userin. Ich kenne das Dilemma. Alle wollen etwas, am besten gleichzeitig, das Jahresende naht und irgendwie ist noch nicht alles erledigt worden. Man steht zwischen: ‘Noch einmal Gas geben auf den letzten Metern’ und ‘einfach nicht mehr können’. Der Appetit ist nicht besonders ausgeprägt, der Lunch fällt extra-kurz aus und plötzlich merkt man, dass das letzte wirklich befriedigende Essen bereits eine Weile her ist. Dabei ist das Essen elementar für Stressresistenz und Wohlbefinden. Das muss uns niemand vorrechnen, das wissen wir selbst – weil wir merken, wie gut es tut, wenn wir uns Zeit nehmen fürs Einkaufen, fürs Kochen und fürs Geniessen. Doch die, die sich diese Zeit nehmen muss, das sind Sie. Für diese Einsicht brauchen Sie mich gar nicht. Vielleicht aber, damit Sie wieder auf Ideen kommen, wie Self Care in der Küche aussehen kann. 

Photo by Daria Shevtsova from Pexels

Sinne stimulieren

Mein Wohlfühlort Nr. 1 ist der Markt. Aber auch nur dann, wenn ich genug Zeit habe und nicht von Stand zu Stand hetze. Suchen Sie sich einen Bauernmarkt oder einen Quartierladen heraus, in dem Sie entspannt einkaufen können – einen, in dem Sie mit der Besitzerin ins Gespräch kommen und nachfragen können, woher das Gemüse und die Eier stammen. Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber mich entschleunigt allein die Auseinandersetzung mit der Herkunft der Lebensmittel, die ich gern esse. 

Ein neues Gericht ausprobieren

Ihr Kopf ist voll mit Zahlen oder all den Dingen, die es noch zu erledigen gibt? Notieren Sie die Infos an einem Ort, an dem sie garantiert nicht verloren gehen und dann: SCHALTEN SIE AB! Konzentrieren Sie sich für eine Stunde auf nichts anderes als dieses eine Gericht, die neue Sauce oder den Auflauf, der im Kochbuch so unverschämt gut aussieht. Wir tendieren dazu, mit den Gedanken vorauszuhetzen, nie dort zu sein, wo wir uns gerade physisch befinden. Eine Auszeit, die wir mit einer komplett simplen Aufgabe wie Zwiebeln schneiden füllen, kann deshalb sehr wohltuend sein. 

Dem Plan folgen

Ich koche so gern aus Kochbüchern, weil ich weiss, dass die Gerichte gelingen, ohne, dass ich über sie nachdenken muss. Dieses strikte Folgen von Anweisungen und die Erfüllung zum Schluss, etwas gekocht zu haben, das garantiert fein ist, macht mich glücklich. Nicht immer ist der richtige Zeitpunkt für kulinarischen Freigeist und Kreativität.

Schweigen

Klar, essen und quatschen ist eine prima Art, um einen Abend zu verbringen. Aber haben Sie mit Ihren Liebsten schon einmal geschwiegen und sich voll auf das konzentriert, was da vor Ihnen auf dem Teller liegt? Mir fällt auf, dass ich bloss dann beim Essen schweige, wenn ich ein besonders exquisites oder aussergewöhnlich raffiniertes Gericht vor mir habe und jede Nuance schmecken möchte. Dabei tut dieses Besinnen ganz grundsätzlich gut und gibt dem Essen genau die Wichtigkeit, die es verdient. 

Lebensmittel gegen Stress

Wenn wir nicht mehr wissen, wohin mit uns, weil der Termindruck überhandnimmt, kann ein gestiegener Stresshormonpegel auch Blutzucker- und Cholesterinspiegel in die Höhe treiben. Über die Ernährung können wir gegensteuern. Vitamin C ist beispielsweise ein Anti-Stress-Vitamin und Nüsse werden aus gutem Grund als Nervennahrung bezeichnet. Verzichten sollten Sie eher auf Zucker und Weissmehlprodukte – aber diese darf man auch ganz grundsätzlich gern gegen gesündere Alternativen austauschen. 

Feel-Good-Gerichte

In stressigen Zeiten ist eine regelmässige, gesunde und ausgewogene Ernährung wichtig, weil die Hektik bereits an uns zehrt. Für mich zählt gerade dann aber auch, dass mich das Essen satt macht und mir einen glücklichen Seufzer entlockt. Das können Lieblingsgerichte sein, etwas aus der Kindheit oder etwas, das es normalerweise immer nur zu besonderen Anlässen gibt. So habe ich mir vor wenigen Tagen ein Käsefondue for One gegönnt – mit allem, was dazugehört. Ich sass allein vor meinem Caquelon und war zufrieden mit der Welt. 

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