Eine Suppe aus der Kindheit

Von Julia Heim, 5. November 2016

Wenn der Regen an die Scheiben klopft, halte ich mich am liebsten in der Küche auf. Und mit neuen Ideen für wärmende Herbstrezepte kommen auch Erinnerungen an in Kindertagen lieb gewonnene Gerichte auf. Wie hat sie bloss dieses oder jenes gemacht, frage ich mich beim Gedanken an die Meisterstücke meiner Mutter, die ich noch am Gaumen schmecke, wenn ich sie mir nur lange genug vorstelle.

Wie gut, dass ich das Wochenende in ihrer Küche verbringe und wir zubereiten, was ich schon als Kind gern gegessen habe. Wir kochen uns zurück und schaffen damit neue Erinnerungen. Und nebenbei lerne ich von ihr.

“Weshalb gehen meine Versuche bei bestimmten Gerichten so häufig schief?”, möchte ich von ihr wissen. “Weil du nicht genau bist”, ist sie sich sicher. Sie hat recht. Ich koche nach Gefühl, nach Gusto, nach dem, was gerade im Haus ist – der Grund weshalb mir meist das Backen misslingt. Im Topf kann man retten, hinzufügen und ausgleichen, herausnehmen und ändern bis es schmeckt. Backen hingegen ist eine Wissenschaft, bei der nicht nur die Zutatenmengen eine wichtige Rolle spielen, sondern auch die Reihenfolge, in der sie in die Schüssel gelangen.
Ähnlich verhält es sich mit den Griessnockerl, die wir heute zubereiten. Hat man Pech, bleiben die Nocken klein und fest. Und hält man sich nicht an den Wortlaut des Rezepts, ist die Mühe vermutlich umsonst. Ein gutes Training also, damit es auch in Zukunft mit den Speisen klappt, die Fingerspitzengefühl fordern.

Für 10 Griessnockerl vermenge ich 30g weiche Butter mit einem Ei und einer Prise Salz und schlage alles schaumig. Ich füge nach und nach 80g Hartweizengriess hinzu und rühre die Zutaten mit einem Schneebesen zu einer klebrigen Masse.
Ich lasse diese 10 Minuten ziehen, setze einen Topf mit leicht wallender Bouillon auf und forme aus der Griessmasse mit Hilfe eines Kaffeelöffels Nocken, die für 10-12 Minuten gekocht werden. Der Topf wird anschliessend von der Platte genommen und die Nockerl ziehen für weitere 10 Minuten in der heissen Suppe.

TIPPS FÜR SCHÖNE GRIESSNOCKERL:

Die Zutaten dürfen nicht zu kalt sein. Ideal ist Zimmertemperatur. Ich habe die Butter sogar geschmolzen und das Ei warm abgespült.

Formen lassen sich die Nockerl gut mit kalten, nassen Händen und einem Löffel.

Die Bouillon darf nur leicht köcheln. Tut sie es zu stark, gehen die Nockerl nicht wie gewünscht auf.

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