Buchtipp: Die grüne Küche auf Reisen

Von Nadja Zimmermann, 5. April 2015

Vor zwei, drei Jahren hätte ich mir nie im Leben vorstellen können, dass ich einmal der Veröffentlichung eines bestimmten Kochbuches entgegenfiebere. So wie ich am 13. Juni 1995 auf das zweite Album von Björk gewartet habe, im November 2000 auf “Lovers Rock” von Sade,  oder auf Erykah Badu’s “Mama’s Gun” im gleichen Jahr.  Und ja, auch auf den letzten Teil der Twighlight-Saga. Lacht nicht!!

Aber einem Kochbuchrelease entgegenfiebern?

Nun, es ist so. Seit ich “Die grüne Küche” (Original “the green kitchen”) von David Frenkiel und Luise Vindahl erstmals in den Händen hielt, war ich augenblicklich fasziniert von der schönen Bildsprache, den originellen, aber einfachen Menüs, der Art und Weise, wie ich als Leserin angesprochen wurde. Das war ziemlich genau vor einem Jahr, im Sphères in Zürich, ich habe mich eigentlich nur etwas gelangweilt durch ein paar Bücher blättern wollen, als ich auf meine Begleitung gewartet hatte und dann “Bämm!” – das Buch gleich gekauft.

Seither verfolge ich gespannt ihrem Instagram-Account, sowie auch ihrem Blog greenkitchenstories.

Im Herbst haben die beiden ihr neues Werk veröffentlicht, das nun seit Mitte März auch in deutscher Sprache erhältlich ist: “Die grüne Küche auf Reisen”.

 

 

Mit ihrer anfangs erst 7-monatigen Tochter begaben sich Frenkiel und Vindahl (er Schwede, sie Dänin) auf eine kulinarische Weltreise.  In gesamthaft 4 Jahren erkundete die kleine Familie 15 Länder auf 5 Kontinenten, viele Monate haben sie fast jede Nacht in einer anderen Stadt, in anderen Betten und zwischen verschiedenen Zeitzonen verbracht.

 

Und dann sehen die alle auch noch so verdammt gut aus!!! Pfff! Also echt jetzt!

 

Gewidmet haben sie diese Buch somit auch ihrer Tochter Elsa, die diese grosse Reise offenbar völlig entspannt mitgemacht hat. Sie habe sich durch die Welt gelacht und neugierig jeden neuen Ort mit grossen Augen erkundet. Und wäre das anders gewesen, dann hätte es dieses Buch nie gegeben, sagen sie. Deshalb auch von mir: Danke Elsa!

Ein Kapitel im Buch ist somit auch dem Reisen mit Kindern gewidmet. Tipps unter anderem zum Reisegepäck, Snacks (passend hierzu auch die tollen “schnellen Zitronenriegel für Flugreisen” auf S. 221), Unterkünften oder auch wie man das Kleinkind im Flugzeug und vor allem während der Wartezeiten so beschäftigen kann, dass nicht alle rote Köpfe kriegen.

Der Fokus liegt aber natürlich auf den Rezepten. Die beiden haben im Buch ihre liebsten Gerichte aus der ganzen Welt zusammengestellt. Vom mexikanischen Frühstückssalat über katalanische frittierte Auberginen mit Honig aus einem Tapaslokal in Barcelona und einem indischen Mango-Rosinen-Chutney, bis zur Torta di Ricotta e Polenta oder einem sommerlichen Kirschsalat.

 

 

Alle Rezepte folgen ihrer Ernährungsphilosphie “gesund, natürlich und grün”. Sie verwenden hochwertige, naturbelassene Lebensmittel und meiden industriell weiterverarbeitete Zutaten. Sie achten auf Produkte aus biologischem Anbau, die nicht genmanipuliert wurden, verwenden viele vegane Zutaten, ohne wirklich Veganer zu sein und kochen meist glutenfrei. Sie achten auf die Bedürfnisse des Körpers, ohne sich aber allzu strikte Verbote aufzuerlegen.

 

 

Ja das klingt alles ganz wunderbar und fabelhaft. Sie sind schön, kochen fantastisch, leben total gesund, teilen das gleiche Hobby, welches ihren überaus erfolgreichen Berufsweg ebnete und die tiefenentspannte Elsa hat im letzten Jahr – als Krönung – noch ein Brüderchen gekriegt.

Das Buch, der Blog, der Instagram-Account, all die grünen Küchen-Veröffentlichungen (es gibt auch eine App!) sind somit auch ein Ausflug in ein perfekt inszeniertes Familienwunderland, wo Kinder alles essen und mögen und sich niemals schreiend und mit hochrotem Kopf auf den Boden schmeissen oder ihre Geschwister am Tisch mit Erbsen bewerfen.

Soviel Harmonie und Idylle kann natürlich auch nerven. Aber um den Blick aufs Wesentliche nicht zu verlieren: Die Rezepte, aus beiden Büchern, sind allesamt grossartig. Originell und einfach umsetzbar. Ich habe schon so viele Favoriten daraus in meine Küche einfliessen lassen. Und der internationale Touch im zweiten Buch finde ich hochspannend – zumal dies auch ein Thema meines dritten Buches ist, das im Herbst erscheint.

Die grüne Küche und Die grüne Küche auf Reisen (Knesebeck Verlag) sind beide je für rund 50 Franken im Handel erhältlich.

 

 

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