Dornig ist der Weg zum Brombeergelee

Von Evelyne Emmisberger, 19. August 2014

Manchmal muss man leiden für seine kulinarischen Schrullen: An meinen Sonntagszopf beispielsweise lasse ich nur selbst gemachte Konfitüre, da bin ich heikel. Den Rohstoff für meinen heiss geliebten Brombeergelee gibts gerade jetzt in Hülle und Fülle im Wald. Letztes Jahr habe ich die kurze Saison verpasst, das hat mich den ganzen Winter hindurch gewurmt. Doch der Weg, es sei geklagt, ist ein dorniger.

Die gemeine Brombeere oder Rubus sectio Rubus ist ein unternehmungslustiges Pflänzchen. Wird im Wald eine Fläche abgeholzt, wagt sie sich als Erste auf das Neuland. Um sich da in kürzester Zeit so fröhlich zu vermehren, dass an ein Durchkommen nicht mehr zu denken ist. Dabei ist sie bei der Wahl ihrer Freunde nicht sehr wählerisch. Ich treffe die Objekte meiner Begierde in inniger Zweisamkeit mit fiesen Brennesseln, die es geradezu darauf anlegen, mir meine Mission zu vermiesen. Kaum wage ich mich ins Brombeer-Land vor, erhalte auch ich einen euphorischen Empfang – die Ranken schmiegen sich so liebevoll um meine Beine, dass ich nach drei Schritten feststecke. Ich würde, selbst wenn ich könnte, es nicht übers Herz bringen, die Brombeere darauf aufmerksam zu machen, dass ihre Dornen im Nahkontakt ein wenig unangenehm sind.

Während ich mir Aufenthalt in dieser menschenfeindlichen Umgebung schönrede, steigt der Pegelstand in meinem Sammelkübeli parallel zur Anzahl Kratzer auf Armen und Beinen und zur Menge der Stiche von allem möglichen Getier. Nicht zu vergessen die reichlichen Brennessel-Souvenirs. Eine Ritterrüstung wäre das adäquate Outfit zum Brombeeren-Sammeln, wenn auch etwas unpraktisch.

Und wer sich nun fragt, wo denn mein Assi Rüedu abgeblieben ist: Der ist zuhause mit Bauchgrimmen. Hat sich eine Magen-Darm-Grippe aufgelesen, der Arme, ist schlapp wie ein Waschlappen und auf Reis-Poulet-Diät. Mein Glück, dass beim Beerensammeln kein Säbelzahntiger mit Kohldampf in der Nähe war.

Brombeer-Gelee

Ich ziehe Gelee der Konfitüre vor, weil sich die sehr zahlreichen Kernchen in der Brombeerkonfi gerne häuslich in den Zahnzwischenräumen niederlassen (und da nur ungern wieder ausziehen).

Zutaten: Brombeersaft, Gelierzucker, Einweghandschuhe, Kniestrümpfe, Massbecher, Konfigläser

Zubereitung: Brombeeren nicht waschen. In einer grossen Pfanne mit etwas Wasser und dem Saft einer halben Zitrone aufkochen und wenige Minuten kochen lassen. Pfanne vom Herd ziehen, zudecken und Brombeeren abkühlen lassen.

Einweghandschuhe anziehen, Brombeeren portionenweise in einen Kniestrumpf abfüllen. Beeren sorgfältig auspressen, Saft auffangen. Die Menge des gewonnenen Beerensafts abmessen: Für ca. ¾ Liter Saft braucht es 1 Kilo Gelierzucker.

Saft und Zucker in einer Pfanne nach Anweisung auf der Packung einkochen. Dann sofort in blitzblank gespülte, heisse Gläser verteilen und verschliessen. Langsam unter einem Küchentuch auskühlen lassen.

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