Kochen Outdoor: Feuer frei!

Von Evelyne Emmisberger, 5. May 2014

Warum es sich lohnt, die schwere Gusseisenpfanne in den Wald zu schleppen.

Ein gefühlter Zentner. So viel wiegt mein Rucksack, mit dem ich mich aufmache in den Wald. Kulinarische Mission in Vollpackung. Manchmal darf es eben ein bitzli mehr sein als eine Cervelat am Stecken und eine Flasche Wein. Warum? Weil es Spass macht. Und weil draussen essen irgendwie besser schmeckt als zuhause, mit einer Prise Rauch und Asche verfeinert, mit Sonnenschein und guter Laune garniert. Wie immer vorbehaltlos begeistert ist auch mein Assi Rüedu, schliesslich geht es um seine liebsten Beschäftigungen: Draussen sein und Essen. Hach, Hunde-Himmel! Sein Job heute: Gelände sichern gegen Säbelzahntiger bei gleichzeitiger Beschaffung von Feuerholz. Rüedus persönliche Interpretation seines Marschbefehls war indes: Schreddern des von seinen Menschen apportierten Holzes. Und zwar mit Feuereifer.

Während also der Assi seinen Häckseldienst verrichtet, gibt es für mich erst einmal so einiges zu rüsten für die geplante Spargel-Kartoffel-Pfanne. Ein Baumstrunk wird zum XXL-Holzbrettli, die Aussicht von meinem Schnippelplatz auf Wiese und Wald ist an Romantik kaum zu überbieten. Hin und wieder sucht eine verschreckte Ameise zwischen den Spargelstückchen hindurch das Weite, die Invasion von Gemüse und Messer scheint der lokalen Mikrofauna nicht geheuer.

Mittlerweile hat mein Liebster ein Feuer entfacht, das dazu geeignet wäre, einen Ochsen am Spiess zu braten. Ein verbreitetes Phänomen, wie ich schon mehrfach beobachten konnte: Männer wollen ein Feuer der Kategorie Inferno, alles andere ist etwas für Gasgrill-Pussys und unter ihrer Würde.

Gleich vorweg deshalb zum wichtigsten Accessoire für Outdoorköchinnen: Ein paar robuste, hitzebeständige Handschuhe. Doch angesichts unseres inzwischen zu einer höllischen Glut heruntergebrannten Feuers nützen auch die herzlich wenig. Um Abstand zur Hitze zu gewinnen, legen wir zwei dicke Äste über die Glut, auf die nun die Pfanne kommt. Jetzt das Gemüse rührbraten – die Augen tränen vom Rauch, die Härchen am Unterarm sind abgebrannt, ich fühle mich wild und stark und grossartig!

Geschmeckt hat es uns dann natürlich auch. Zarte Spargelaromen, süsse Zwiebelnoten und herber Rucola zu jungen Kartöffelchen, ein Hauch Rauch, ein bodenständiger Rioja aus Nutella-Gläsern und dazu am Stecken gebrätelte Tessiner Luganighe. In sicherer Distanz (weil weiss Gott kein olfaktorischer Leckerbissen für Zweibeiner) kaut der Assi genüsslich sein Schweineohr. Ja, stelle ich mit vollem Mund und der Abendsonne im Gesicht fest, das ist jetzt mal wieder einer dieser puren Glücksmomente. Man kann sie manchmal herbeikochen, aber ein Rezept dafür gibts nicht.

Rezept: Spargel-Kartoffel-Pfanne

Für 2 Personen mit Bärenhunger

1 Paar hitzebeständige Handschuhe, 1 Gusseisenpfanne, 1 Holzkelle
Öl oder Bratbutter zum Anbraten
300 g Kartoffeln
700 g weisse Spargeln
2 Zwiebeln, mittelgross
Salz, Pfeffer
1-2 Handvoll Rucola

Kartoffeln mit der Schale in Würfelchen schneiden, Spargeln schälen und in ca. 2 cm grosse Stücke schneiden, Zwiebeln in Ringe schneiden. Ordentlich Öl oder Bratbutter in die Pfanne geben und kurz über dem Feuer erhitzen, das Fett sollte den ganzen Pfannenboden gut bedecken. Pfanne vom Feuer nehmen, Kartoffeln hineingeben. 3-4 Minuten anbraten, dann Zwiebeln und Spargeln beigeben. Je nach Hitze ca. 10-15 Minuten rührbraten, bis die Kartoffeln durch sind, die Spargeln dürfen noch leicht knackig sein. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Kurz vor dem Servieren Rucola zerrupfen, darübergeben und kurz mitbraten, bis er zusammenfällt.

Tipps:
– Wenn das Fett in der Pfanne zu brennen beginnt, ist die Hitze (surprise!) zu gross. Abstand zur Glut mit Ästen oder Steinen vergrössern. NIE mit Wasser löschen – Pfanne auf den Waldboden stellen und warten, bis das Fett nicht mehr brennt. Schlimmstenfalls mit Erde löschen, bevor der Wald abfackelt.
– Dass es auf dem Pfannenboden ein bisschen anbrennt, ist normal. Nicht abkratzen, sondern einfach weiterrühren, allenfalls etwas Öl nachgiessen.
– Kein Stress. Never! Draussen kochen ist ein Abenteuer, ein unvorhersehbares dazu, also geniesst es. Ich verspreche: Am Schluss kommt eigentlich immer alles gut.
– Packt einen kleinen Snack ein: Outdoorkochen dauert immer länger als gedacht. Gönnt euch mal wieder eine Tüte Pommes Chips, am besten bevor der Heisshunger die gute Laune verdirbt.

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