Die Gourmistas testen: In Frieden essen

Von Julia Heim, 29. August 2017

Neu kochen meine beiden gourmetbegeisterten annabelle-Kolleginnen Geraldine Capaul und Evelyne Emmisberger und ich Rezepte aus Kochbüchern nach.
Diesmal: Drei Gerichte aus

«Malakeh. Sehnsuchtsrezepte aus meiner syrischen Heimat» von Malakeh Jazmati

In Syrien war Malakeh Jazmati eine beliebte TV-Köchin. In Berlin, wohin sie ihrem Mann 2015 gefolgt ist, betreibt sie ein Catering-Unternehmen. Ihr Heilmittel gegen das Heimweh: kochen, essen, feiern. Nun hat die 27-Jährige ein Kochbuch herausgegeben. «Malakeh. Sehnsuchtsrezepte aus meiner syrischen Heimat» ist voller Farben, Rezepte und Geschichten – reichhaltig, verführerisch und berührend. Das Buch ist aber auch ihre Antwort auf den Krieg und ihr ganz persönlicher Beitrag, die Essenskultur und -tradition dieses schönen Landes zu bewahren.

Wir haben folgende Rezepte nachgekocht:

Auberginenpüree mit Joghurt

Seite 15

Evelyne Emmisberger, Leitung Gourmet, stv. Leitung Produktion

 

Bewertung

Schwierigkeit (ein Stern = einfach): *
Verständlichkeit (ein Stern = unverständlich): ******
Voraussetzungen (was braucht man alles zuhause, sowohl an Zutaten als auch an Geräten): **
Geling-Garantie: *****
Bluff-Effekt: *****

Richtig repräsentativ ist für einmal mein Testbericht, denn das Gericht wurde von der ganzen annabelle-Redaktion anlässlich eines Apéros degustiert. Einhellige Meinung: Fantastisch! So fein! Genial! Mmmmh! Ich wärmte mich an den Komplimenten wie eine Tomate unter der toskanischen Sonne. Denn der Aufwand war gering, die Zubereitung bubieinfach. Besonders clever: Der Tipp, wie man ohne farbliche Kollateralschäden die Kerne aus einem Granatapfel löst. Die Menge von zwei Kilo Auberginen für eine Vorspeise für vier Personen ist eindeutig viel zu viel. Und ganz wichtig: Verderbt das Gericht nicht, indem ihr wie im Rezept angegeben, eine ganze Knolle rohen Knoblauch hineingeben. Ich habe die Knolle samt Schale quer halbiert, mit der Schnittfläche nach unten auf ein mit Olivenöl eingefettetes Blech gelegt und im Ofen bei 150 Grad etwa 15-20 Minuten gegart. Danach die weichen Zehen einfach aus der Schale drücken und mitpürieren. So erhält das Gericht eine zarte, unaufdringliche Knoblauchnote und wird auch von sensiblen Mägen gut vertragen.

 

Bulgur mit Tomaten

Seite 86

Geraldine Capaul, Redaktion Gourmet News, Produzentin

 

Bewertung

Schwierigkeit: *
Verständlichkeit: ******
Voraussetzung: **
Geling-Garantie: ******
Bluff-Effekt: *

Schmack- und nahrhaft, möglichst leicht zu kochen und auch ein wenig gesund: So definier ich ein Alltagsgericht. Weil ich davon aber nicht unglaublich viele im Kopf vorrätig habe, entschied ich mich, das Rezept Bulgur mit Tomaten zu testen. Es klingt sehr einfach, fein und dank der frischen Tomaten ist auch der Gesund-Punkt abgehakt. Nun ja, einfach ist es schon, doch während des Kochens wurde mir bewusst, dass ich noch nie Bulgur gegessen hatte, geschweige dann gekocht. Ist das wie bei Pasta und irgendwann al dente? Oder wie Risotto? Ich habe ca. dreimal so viel Flüssigkeit wie im Rezept angeben verwendet, bis ich mit dem Bulgur glücklich war. Der Rest ging aber tipptopp auf. Es war fein und reichte etwa für 10 Personen. Da fällt mir ein – meiner Definition von Alltagsgericht fehlt noch ein Punkt: Es sollte sich für Reste eignen. So hat man grad noch ein Zmittag fürs Büro. Ich habe jetzt Bulgur für etwa fünf Mittagessen. Auch gut.

Sambose – Frittierte Käsetaschen mit Petersilie

Seite 52

Nachgekocht von Julia Heim, Leitung Online

 

Bewertung

Schwierigkeit: *****
Verständlichkeit: ***
Voraussetzung: ****
Geling-Garantie: ***
Bluff-Effekt: ***

Die Sambose sahen im Kochbuch definitiv gluschtiger aus als bei mir. Eine herbe Enttäuschung, denn eigentlich kenne ich die frittierten Käsestangen aus der türkischen Küche und bin ein grosser Fan. Dass sie bei mir nicht goldgelb werden und der Käse im heissen Fett ausläuft, nagt an meinem Ego. War das Fett nicht heiss genug? Beim nächsten Mal frittiere ich nicht mehr, sondern brate sie in einer halbhohen, beschichteten Pfanne an. Vielleicht wirds dann was mit dem Teint.
Übrigens: Das Rollen will geübt sein. Nicht zu viel Käse verwenden, sonst lassen sich die Sambose seitlich nicht mehr verschliessen.

– Malakeh Jazmati: Malakeh. Sehnsuchtsrezepte aus meiner syrischen Heimat, ZS Verlag GmbH, 192 S., 47.90 Fr.

Unsere nachgekochten Gerichte servieren wir auf Geschirr aus der Serie Various von WMF.

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