Mit zehn Kochbüchern um die Welt – Teil 2

Von Julia Heim, 14. Juni 2017

Weiter geht die Reise (Teil 1 findet ihr hier) – diesmal nach Vietnam. Hier wird vor allem auf der Strasse gekocht, gedämpft, gebraten und gegessen. Das Leben spielt sich draussen ab. Gut so! Hier macht es auch mehr Spass. Vietnamesische Garküchen sind meist einfache Konstrukte, die nur aus einem Holzkohlekocher und Bambusstäben bestehen, dazu ein Klapptisch und Plastikhocker. Fertig ist der Strassenimbiss. An jeder Ecke dampft und duftet es – oft nach kräftigen Gewürzen, frischen Kräutern und gebratenem Gemüse. Garküchen sind nicht nur eine Möglichkeit, um sich schnell und günstig zu verpflegen, sie sind auch Treffpunkte. Ein Schwätzchen hier, ein gemeinsamer Tee da: Draussen essen – das heisst hier eben auch socializen.

Das Kochbuch «Vietnamesische Strassenküche» von Tracy Lister und Andreas Pohl ist eine Sammlung authentischer Rezepte der Betreiberinnen und Betreiber dieser kleinen, mobilen Restaurants – wie die Sommerrollen mit Tofu und geröstetem Reis (Nem Thinh) oder die mit Schweinefleisch gefüllten Reisnudelpäckchen (Banh Cuon). Zwischen den Rezepten werden einzelne Garküchen und ihre Betreiber vorgestellt, am Ende findet sich eine Erklärung zu den wichtigsten Zutaten in der Vietnamesischen Küche. Die verführerischen Bilder stammen von Michael Fountoulakis.

– «Vietnamesische Strassenküche»,  Tracy Lister und Andreas Pohl,  AT-Verlag, 208 Seiten, 36 Franken 

Diese Destination liegt mir besonders am Herzen: Tokio! Die pulsierende Stadt mit all ihren Extremen, dem fantastischen Essen, den unzähligen Möglichkeiten. Tokio fasziniert, reisst mit, erschlägt beinahe. Nie habe ich besser gegessen, nie habe ich mehr gestaunt. Und deshalb braucht es bei einer kulinarischen Weltreise, wie ich sie mit euch gerade mache, unbedingt ein Kochbuch aus der japanischen Küche. «Tokio» von Maori Murota gefällt mir besonders gut, weil es von Sushi über Tempura und Bento bis Miso 100 Kultrezepte zusammenfasst.

Maori Murota ist Japanerin. Sie lebt in Paris, wo sie ein Restaurant und einen Catering-Service betreibt. Für «Tokio» hat sie sich besonders auf unkomplizierte Gerichte konzentriert. Besonders schön finde ich die kleinen Illustrationen, die neben vielen Rezepten zu finden sind. Sicher ein Buch, das Sehnsucht weckt, und gerade jetzt, wo Japan in aller Munde ist, gut ankommt. Unbedingt probieren: Tsukuné (Hühnerfleischbällchen) und meine geliebten Onsen Tamago (weiche Eier nach japanischer Art).

– «Tokio», Maori Murota,  Christian-Verlag, 272 Seiten, 43 Franken 

«Carris’s Kitchen» ist ein kulinarischer Roadtrip durch die USA. Mit ihrem Buch sind wir beim nordamerikanischen Comfort Food angelangt – bei Frittiertem, bei Eintöpfen, bei Hash’n’Egg. Und was soll ich sagen, ich liebe die Küche der USA. Sie ist vielseitig, deftig, abwechslungsreich und kann so viel mehr als Pancakes und Hotdogs (obwohl auch die im Buch nicht fehlen!) – Grits und Granola oder Stews und Chowder beweisen es.

Carrie Solomon, die ursprünglich aus dem Mittleren Westen der USA stammt und seit mehr als zehn Jahren in Paris lebt, stellt in «Carrie’s Kitchen» auch typische Küchenutensilien, wie die Skillet (eine tiefe Pfanne aus nicht emailliertem Gusseisen) vor und erklärt, was in den USA mit dem Doughnut-Teig passiert, der mittig ausgestanzt wird (er wird gebacken und separat verkauft). All diese kleinen Zusatzinfos und natürlich die Anekdoten aus Solomons Familie machen das ansonsten eher unspektakuläre Buch liebenswert. Und ehrlich gesagt finde ich gerade die simplen, unaufgeregten Rezepte so wunderbar. Denn sie müssen nicht von langer Hand geplant werden. Sie können selbst dann zubereitet werden, wenn kaum noch was im Kühlschrank ist. Und sie erinnern uns an etwas, das oft zu kurz kommt: Essen, das ausschliesslich der Seele gut tut.

–  «Carrie’s Kitchen», Carrie Solomon, Knesebeck-Verlag, 224 Seiten, 36 Franken

Über 600 Rezepte findet ihr in «Mexiko», dem 2015 erschienenen Kochbuch von Chefköchin Margarita Carrillo Arronte. Die Mexikanerin lebt ihre kulinarischen Wurzeln und zelebriert die Esskultur ihrer Heimat. So führt sie nicht nur ein Restaurant, publiziert Bücher und ist Teil einer TV-Show, sondern lehrt auch an internationalen Kochschulen wie beispielsweise am Culinary Institute of America und am Le Cordon Bleu. Klar, dass man an ihrem Kochbuch, einem über 700 Seiten starken Werk, nicht vorbeikommt.

Mit seinem leuchtenden Umschlag sorgt das Buch bereits im Verkaufsregel für Aufsehen. Richtig so, denn was sich darin verbirgt, ist nicht minder spektakulär. Ein solches Buch muss auffallen, es muss mit nach Hause wandern – ein Standardwerk für Liebhaber der mexikanischen Küche und der mesoamerikanischen Kultur. Carrillo Arronte gibt einen Überblick über die verschiedenen Regionen Mexikos, über Rituale und über den Anbau regionaler Produkte. Unbedingt probieren: Margarita Carrillo Arrontes Weizen-Tortillas. Ihr werdet sie ab sofort nur noch selbst machen.

– «Mexiko», Margarita Carrillo Arronte, Phaidon / Edel-Verlag, 704 Seiten, 52 Franken 

Die letzte Station unserer Reise ist Peru. Ein Land, das sich in den letzten Jahren zu einem kulinarischen Hotspot entwickelt hat. In der Liste der 50 besten Restaurants der Welt tauchen gleich drei Restaurants auf (Central, Maido und Astrid y Gastón), die sich in der Hauptstadt Lima befinden, und auch abseits der offiziellen Rankings fällt Limas Gastroszene besonders durch Qualität und Innovation auf. Die peruanische Küche gilt als eine der besten Küchen Lateinamerikas. Grund genug, euch das Buch «Peru» von Gastón Acurio ans Herz zu legen. 500 Rezepte quer durch die verschiedenen Küchen des Landes – von der Familien- bis zur Spitzenküche.

Der peruanische Chefkoch, der am Le Cordon Bleu lernte und heute als einer der Botschafter seines Landes gilt, ist Inhaber verschiedener Restaurants und Autor mehrerer Bücher. «Peru» ist eines seiner umfangreichsten und schönsten Werke und gibt einen authentischen Einblick in die Küche des Landes. Meine Favoriten: natürlich seine Ceviche-Variationen.

– «Peru», Gastón Acurio, Phaidon / Edel-Verlag, 320 Seiten, 49 Franken 

 

Vorschaubild: iStock/RobertoDavid 

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