Ein «Neni» für alle Fälle

Von Julia Heim, 6. April 2017

Das «Neni» und ich, wir haben eine ganz besondere Beziehung zueinander. Also mehr ich zum «Neni», als andersherum. Zu viele Fans hat das Lokal, zu lang ist es her. Da mach ich mir nichts vor. In Wien habe ich mich verliebt. Am Naschmarkt. In der Sonne. Im späten Herbst. Vor bald acht Jahren. Gerade als ich ankam, um zu bleiben. Da bin ich dem «Neni» begegnet und wusste: diese Liaison wird halten. Wie oft ich da am Fenster sass, den Blick auf die enge Marktgasse gerichtet, auf die letzten Sonnenstrahlen, die sich an den Buden entlangschlängelten, auf die Gehetzten und auf die, die sich treiben lassen wollten.

Aufmerksame Leser wissen, dass ich anfange zu schwärmen, wenn die Gedanken nach Wien schweifen. Das ist ok. Und wenn es ums «Neni» geht, dürft ihr euch selbst davon überzeugen, ob das Schwärmen seine Berechtigung hat. Denn vor wenigen Tagen eröffnete an der Europaallee im lauten Kreis 4 ein noch lauteres «Neni». Bunt und herzlich, mit israelischer, syrischer und libanesischer Küche. Von allem ein bisschen. Hummus (9 Franken), Falafel (8 Franken), Babaganoush (9 Franken), Pulled Beef Burger mit Süsskartoffelfries (29 Franken) – klingt nach Hipster-Gusto. Ist es auch. Macht aber nichts, denn Hipster-Gusto ist das meiste, was derzeit in Zürich aufmacht. Ramen, exklusive Burger, vietnamesisches Streetfood, Poké oder Mezze – diese Stadt inhaliert neue Foodkonzepte, sofern sie zentral gelegen sind. Und das ist beim «Neni» der springende Punkt. Mit der neuen Location im 25 Hours Hotel direkt am Ende des neuen Quartiers Europaallee / Ecke Langstrasse, hat sich Gastronomin Haya Molcho ein gutes Plätzchen ausgesucht. Viel besser als die bisherige Adresse in Zürich-West. Denn ja, das «Neni» ist in Zürich nicht neu. Dafür jetzt aber neu zentral.

Wie anfangs üblich, muss sich vieles noch einspielen, die eine oder andere Frage bleibt unbeantwortet, doch das Personal ist freundlich, das Essen gut und der Wein, ein Tempranillo von 2011 (1 dl 11 Franken), schwer, was mir zusagt. Ich war bereits auf einen Kaffee dort, habe mich durch das sonntägliche Frühstücksbuffet getestet und abends à la carte bestellt. Letzteres hat mir am besten gefallen, vielleicht auch, weil jedes Gericht für sich eine andere Stadt auf den Tisch bringt – ein bisschen Tel Aviv, ein bisschen Beirut und für mich eben auch ein bisschen Wien.

Neni
Langstrasse 150
8004 Zürich

+41 44 576 50 05
neni.langstrasse@25hours-hotels.com

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