Buchtipp: Mediterran

Von Nadja Zimmermann, 13. August 2015

Wenn man mich fragt, welche Küche meine liebste ist, dann schwanke ich so ein bisschen hin und her. Die italienische ist sicher mein Favorit. Einfach und doch raffiniert. Nordafrikanische Rezepte sind aber auch sehr spannend, aus Israel gibts ganz wunderbare Kreationen, auch die Türkei spricht mich kulinarisch an. Schön also, wenn man rundumä eine ganze Küstenregion zwischen zwei Buchdeckel pressen kann. Ali Güngörmüs‘ «Mediterran» vereint „französische und spanische Ideen, italienische und griechische Inspirationen, türkische und israelische Gerichte und die Aromen Nordafrikas“. Was wotsch meh?

 

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Ali Güngörmüs ist ein weitgereister Hamburger Sternekoch. Kennt ihr vielleicht auch aus dem Fernsehen. Da taucht er immer wieder mal auf.

In seinem Kochbuch beweist er, dass man auch als Sternekoch nicht immer mit der grossen Kelle anrühren muss. Seine Rezepte im Buch sind bodenständig, unkompliziert, man kriegt sie ohne grossen Aufwand hin und sie bestehen aus einfachen und nicht zu vielen Zutaten. Alles ohne Schnickschnack. So wie er sie seinen Gästen im Restaurants gern mittags serviert, wie er sagt.

Man mag nun bemängeln, dass man von einem Sternekoch natürlich mehr erwarten müsse, ausgeklügeltere Hurra-Rezepte, aber ich bin immer froh, wenn ich auf Menüs stosse, die einerseits Appetit machen und anderseits einfach umsetzbar sind. Ich steh schon oft genug in der Küche und schlussendlich koche ich vorwiegend für unseren Alltag, daher kommen mir unkomplizierte Rezepte mit Zutaten, die ich vorwiegend bereits da habe, sehr entgegen. Schöne, hippe, aufwendige Kochbücher sind zwar hübsch für den Couchtisch, finden aber in meinem Leben kaum Anwendung.

Das Buch verfügt praktischerweise auch über eins dieser Lesebändeli, die man zwischen die Seiten eines ins-Auge-gestochenen-Rezeptes legen kann. Es bräuchte aber ungefähr 34 solcher Bändeli – die Rezepte sind wirklich ansprechend und die schönen Bilder machen Lust drauf. Eben, für den Alltag, aber, wie ich finde, auch für Gäste. Inklusive vieler Dessertrezepte die ich alle jetzt auf der Stelle ausprobieren und essen möchte. Das Vanillemousse mit Himbeersorbet, Mascarponecreme mit Granatapfel und gebrannter Schokolade, oder der Zitronenquark mit frischen Beeren.

Nebst seinen Kreationen finden sich im Buch auch einige, für die mediterrane Küche wichtige, Grundrezepte, wie Tzatziki, getrocknete Tomaten, Balsamico-Vinaigrette oder Fladenbrot und Nudelteig.

 

Das Buch ist das reinste Fest. Ein gluschtiges (und eben auch umsetzbares) Rezept jagt das nächste. Der Grapefruit-Avocado-Salat mit Granatapfel und viel Basilikum, Hummus – dass bei jedem wieder anders schmeckt, Linguini mit Tomaten und Oliven, die Kartoffelrösti mit Lachstatar und Gurkensalat oder die gefüllten Tomaten mit Schafskäse und Oliven. Und demnächst bei uns zuhause: die marinierten Pfifferlinge mit Tomaten Zucchini-Krapfen. Und dann … Ups!

 

Flusskrebse

 

Aua!

Und ja, das hat auch was Heuchlerisches, wenn ich das so explizit erwähne, da ich nunmal zwar sehr tierlieb, aber wiederum nicht vegan lebe, also gewissermassen auch für Tierleid verantwortlich bin. Ich ernähre mich zwar praktisch fleischlos, meistens, und wenn nicht, dann ist mir schon bewusst, dass da ein Tier sterben musste, weshalb ich hier dann wenigstens darauf achte, dass das Tier angemessen gehalten wurde, also entweder aus biologischer Haltung oder direkt vom netten Bauern nebenan stammt. Alles andere liegt einfach nicht drin. Aber – auch wenn es nur Flusskrebse sind – gibt es für mich doch einen recht grossen Unterschied, ob ich das Tier selbst töte oder nicht. Ich weiss nicht, ob alle die Fleisch essen und durch die Fleischtheke tigern, die Kuh auch selbst erlegen würden. Aber ich persönlich kann auch keine Fische fangen und selbst ausnehmen. Und ich könnte auch kein Spanferkel essen, dass dann so mit Apfel im Mund rumhängt. Vermutlich verdränge ich bei meinem seltenen Tierkonsum manchmal schon auch, dass es ein Tier war, ja. Und da ich auch nach wie vor bitzeli Fleisch esse ist es auch völlig inkonsequent. I know! Wenn ich nun aber lebende Flusskrebse kaufe und sie anschliessend in den heissen Sud drücke, während sie hilferufend qualvoll verbrühren und ertrinken, dann wird verdrängen echt bitz schwierig. Ich wurde in einem Kochbuch aber auch noch nie direkt zum Töten aufgefordert. Oder wie seht Ihr das?!

 

Jetzt aber mal abgesehen von dieser einen brutalen Stelle, ist dies ein Kochbuch, dass ich gerne weiterempfehle. Und weil dem so ist, möchte ich euch auch ein Rezept aus dem Buch verraten. Die Auswahl hierzu war echt schwierig, aber als kleiner Linsenfan fiel die Wahl auf folgendes:

 

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LINSENSUPPE MIT KREUZKÜMMEL

Zutaten:

  • 2 Karotten
  • 1 Chilischote
  • 2 Zwiebeln
  • 2 Knoblauchzehen
  • 50g Butter
  • 400g rote Linsen, eingeweicht
  • 1 Prise gemahlener Kreuzkümmel
  • 1/2 EL Tomatenmark
  • 50ml Noilly Prat
  • 300ml Geflügelbrühe
  • 4 EL Sahne
  • Salz & Pfeffer

 

  1. Karotten schälen und grob würfeln. Chilischote aufschneiden, entkernen und vierteln. Zwiebeln und Knoblauch schälen, grob würfeln und in der Butter anschwitzen.
  2. Linsen und Karotten dazugeben und auch den Kreuzkümmel und anschliessend das Tomatenmark und die Chilischote kurz mitrösten.
  3. Mit Noilly Prat und Geflügelbrühe ablöschen und 20 Minuten leicht köcheln lassen.
  4. Zum Schluss mit dem Stabiler fein pürieren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Je einen EL geschlagene Sahne in die Suppe geben.

 

Ali Güngörmüs Mediterran (DK-Verlag) ist für rund 38 Franken im Handel erhältlich.

 

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