Ein Braten zum Heiraten

Von Evelyne Emmisberger, 7. Mai 2014

Hackbraten-im-Topf-Dreierlei

Weiss der Geier, wie wir auf Hackbraten kamen. Ich weiss nur noch, dass gegenüber von mir – wie die Sonne am Morgen – die strahlenden Augen meiner Produktions-Kollegin Geraldine über den Bildschirmen auftauchten. „Also, also“, stammelte sie, die sonst nie ein Problem mit sprachlichem Ausdruck hat, „also, wenn ich es je schaffe, selber einen Hackbraten zu machen, dann wird mich mein Freund sofort heiraten wollen.“

Ein kurzer Blick diagonal über unsere Pulte hinweg zu Brigitte, der Dritten von Dreierlei, genügte mir. Unsere Augenbrauen hoben sich synchron bis weit unter die Stirnfransen. HA! Obwohl wir beide in puncto Heiraten vielleicht nicht mehr ganz markttauglich sind, unsere journalistischen Instinkte sind es auf jeden Fall – und die signalisierten uns soeben: Das ist die Story für unseren ersten Dreierlei-Blogbeitrag. Mit viel Liebe für den Magen und hoffentlich einem Happyend, hach wie schön. Bri und ich seufzten vor Vergnügen, Geraldine hätte sich wohl gewünscht, sie hätte ihre Klappe gehalten.

Ein paar Tage später hätte ich mir dann gewünscht, ich hätte die Klappe gehalten. Hackbraten! Der heilige Gral der Hausmannskost! Über vier Millionen Einträge und sicher ebenso viele Rezepte bei Google (deutsch und englisch)! Jede und jeder hat eine Mama, eine Grossmutter oder einen Schwiegervater, der oder die den WELTBESTEN Hackbraten macht. Da wurde mir schon ein bisschen flau im Magen, auch wenn mein Rezept ebenfalls von meiner Mama stammt, ergo für mich das weltbeste ist.

Nun, wenn es uns Dreien an etwas nicht fehlt, dann am Mut zur kulinarischen Subjektivität. Und das Wichtigste am Hackbraten ist sowieso, dass man ihn selber macht. Nur so weiss man, was man drin hat und wer seine Pfötchen drin hatte. Von unseren deutschen Nachbarn nicht grundlos falscher Hase genannt, lässt sich darin vortrefflich allerlei Unappetitliches entsorgen.

Das grosse Hackbraten-Happening von Dreierlei fand an einem hundsgewöhnlichen Mittwochabend bei Geraldine statt. Dass sie gleich als erstes eine schöne Flasche Weisswein öffnete, zeigt exemplarisch, was wir aus tiefstem Herzen sind: Drei Genussgenossinnen. Und so versprach aus dem sehr normalen schon bald ein sehr unvergesslicher Mittwochabend zu werden.

Der Hackbraten war übrigens im Handumdrehen gemacht. Ich mache ihn mit Brät statt Brot – so wird er schön saftig und bleibt brav in Form. Meine Versuchsreihe mit Brot habe ich abgebrochen, ich krieg es einfach nicht hin. Ausserdem wird der Braten erst in der Bratpfanne angebraten, bevor er im Gusseisen-Topf auf einem Bettchen von Gemüse und in einem Luxusbad aus Wein mindestens zwei Stunden schmoren darf. Auf dem Herd, denn der Backofen ist bei mir meistens schon besetzt. Nicht fehlen darf im weinseligen Badewasser ein Bouquet garni, ein Kräutersträusschen, sowie ein wenig braune Bratensauce aus der Tube. Ja, aus der Tube. Ich habe da null Berührungsprobleme, ich finde die braune Tubenbratensauce sogar eine der besten Fertigwürzen (gleich nach Aromat). Die für Puristinnen adäquate Alternative dazu wäre natürlich eine delikate, selbst gemachte Demi glace – eine kulinarische Herausforderung erster Güte, ich kanns beklagen, aber davon ein andermal.

Angeregt von den verführerischen Wohlgerüchen aus der Gusseisenpfanne, der schon bald zur Neige gehenden Flasche Weissen und der kuschligen Küchenathmosphäre entspannen sich unter dem Dreierlei schon bald die schönsten Gespräche – übers Heiraten natürlich (Ja. Nein. Vielleicht. Steuern!!), aber auch über die Unabhängigkeit Schottlands (Yes!) und weiter rund um den Globus von Afrika bis Goa, Neuseeland und Kanada. Als wir mit der Story von Bri über ihre Reise nach Nordirland während der heissen IRA-Zeiten wieder europäischen Boden erreichten, war auch der Braten durch.

Zum Glück hat er nicht nur mir gut geschmeckt. Deshalb wage ich es, hier den über vier Millionen Hackbratenrezepten noch ein weiteres hinzuzufügen. Und hoffe, bald schon über seine Auswirkungen auf einen ganz bestimmten, sehr sympathischen jungen Mann berichten zu dürfen.

collage-Hackbraten-Rezept

Hackbraten
Für vier Personen

600 g Bio-Rindfleisch, gehackt
300 g Kalbsbrät
1 Ei
1 EL Senf, mild
1 Zwiebel, gehackt
1 Bund Peterli, geschnitten
1 Bund Schnittlauch, geschnitten
Gewürze nach Belieben (ich nehme schwarzer Pfeffer, Salz, Grillgewürz)
Mehl
Bratbutter

Alle Zutaten in eine Schüssel geben und von Hand gut durchkneten, bis ein homogener Teig entsteht. In der Schüssel zu einem Braten formen. Rundum mit Mehl bestäuben. In einer Bratpfanne in reichlich Bratbutter bei relativ hoher Temperatur rundum anbraten, bis der Hackbraten eine schöne Farbe hat. Braten herausnehmen und auf einem Teller zwischenlagern, übrig gebliebene Bratbutter in den Gusseisentopf leeren.

Sauce und Gemüse

4-5 Rüebli
1 Lauchstange mit Grün
½ Sellerieknolle
3-4 Knoblauchzehen
Bratbutter
2 Zwiebeln
Bouquet garni (2 Zweige Peterli, 2 Zweige Rosmarin, 2-3 Zweige Thymian)
1 l Kochwein, rot
2 Lorbeerblätter
3-5 Pfefferkörner
Bratensauce braun, aus der Tube

Gemüse rüsten und in nicht zu kleine Stücke schneiden. Zwiebeln in grobe Stücke schneiden, Kräuter für das Bouquet garni mit Küchenschnur zu einem Sträusschen binden. Gusseisenpfanne mit der Bratbutter vom Hackbraten auf mittlerer Hitze erwärmen, eventuell noch etwas Butter dazugeben. Zwiebeln und Bouquet garni zusammen anbraten, bis die Zwiebeln glasig sind und etwas Farbe annehmen. Dann restliches Gemüse hineingeben und kurz mitdünsten.

In der Mitte der Pfanne eine Mulde freimachen und den Hackbraten hineinlegen. Mit so viel rotem Kochwein auffüllen, dass der Hackbraten zu rund drei Viertel bedeckt ist. Lorbeerblätter und Pfefferkörner zugeben, aufkochen lassen. 2-3 fingerlange Würstchen der Bratensauce in die Sauce geben, gut verrühren. Eine Kelle zwischen Topf und Deckel klemmen und auf kleiner Hitze mindestens 2 Stunden köcheln lassen. Ab und zu umrühren, und bei Bedarf etwas Wasser nachgiessen. Zum Servieren den Braten aus der Pfanne heben und tranchieren. Zusammen mit dem Saucengemüse und der Sauce zu Kartoffelstock servieren.

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